Jan trägt seine gesammelten Schätze zusammen

Das Proseminar zur Frühen Neuzeit machte eine Exkursion. Der Bus (den zahlte die Uni) wartete morgens um halb acht am Schweizer Bahnhof; ab ging es nach Stuttgart. Jan genoss die ‘Dienstreise’ durch den Schwarzwald und über die Alb. Ziel war das Raritätenkabinett im Stuttgarter Alten Schloss. Da würde man einmal hautnah erleben, was die Altvorderen in ihrer unstillbaren, aus den vermeintlichen Fesseln eines ‘dunklen Mittelalters’ befreiten Neugier über die Geschichte einer säkularisierten Welt so alles zusammengetragen hatten, hatte der Seminarleiter raunend angekündigt.

In dem Kabinett herrschte ein skurriles Wirrwarr an seltsamen und exotischen Dingen, alles war vom  vom Jagd- und Sammeltrieb der adligen Hausherren zusammengestellt worden. Ein modriger Geruch lag über all jenen Exponaten: den afrikanischen Musikinstrumenten, asiatischen Feinschnitzereien, Waffen und Löffeln aus Perlmuttern.

Museum

Jan winkte innerlich ab; die vielen Schätze auf einem Haufen verbreiteten mehr das Flair einer historischen Schatzkiste, denn einer Sammlung, von der man wissenschaftlich profitieren konnte.

Sammlung ohne Ordnung ist Sammlung ohne Sinn, dachte Jan. “Verirrte Repräsentationen einer Ordnung der Dinge vor Anbruch des geschichtswissenschaftlichen Zeitalters”, hatte es der Dozent formuliert. “Das kann ich besser.”

 

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