Gefahren und Strapazen der Luftschiffeinsätze


Angriffs- und Aufklärungsfahrten waren für die Luftschiffbesatzungen sehr belastend. Die Einsätze dauerten häufig länger als 20 Stunden.

Dabei bewegten sich die Luftschiffe in großer Höhe, um eine größtmögliche Sicherheit vor der englischen Flugabwehr zu erlangen. In dieser Fahrthöhe wurden allerdings eisige Kälte und Sauerstoffmangel zu unangenehmen Begleiterscheinungen.

Ein solcher Einsatz konnte die gesundheitliche Verfassung einzelner Besatzungsmitglieder derart schwächen, daß sie oft mehrere Tage brauchten, um sich wieder davon zu erholen.

Englische Erinnerungspostkarte: Zeppelin im Scheinwerferlicht

Daneben drohte den Luftschiffen vor allen Dingen bei Angriffsfahrten über England die Gefahr, durch englische Jadgflieger abgeschossen zu werden. Wegen ihrer Größe und mangelnden Wendigkeit, aber auch aufgrund der erschwerten Navigation bei Nacht und Nebel waren die Luftschiffe ein leichtes Ziel für Maschinengewehre und Brandgeschosse.


"Wir frieren wie die Affen" (Pit Klein)

In 4000 bis 5000 Metern Fahrthöhe herrschten Temperaturen von –20 bis –30 Grad. Dagegen schützte sich die Besatzung mit doppelten Lagen warmer Unterkleidung, mit dickgefüttertem Lederzeug, mit Lederhauben, Handschuhen, Schutzbrillen und Filzstiefeln.

Die dicken Stiefel dienten allerdings nicht nur zum Schutz vor der Kälte. Die Filzsohlen verhinderten außerdem, daß beim Ausgleiten oder festen Auftreten im Schiff Funken entstanden, die zur Explosion des Luftschiffs führen konnten.
Luftschiffer in Kälteschutzkleidung  

zu den kältesten Orten im Luftschiff gehörte die obere Plattform. Hier waren die Besatzungsmitglieder während ihrer 4-stündigen Schicht ungeschützt dem eisigen Fahrtwind ausgesetzt. In den Motorengondeln, die ebenfalls rund um die Uhr besetzt sein mußten, kam zur Kälte noch der ohrenbetäubende Lärm der Motoren hinzu.

"Aber diese Plattform hatte auch ihre Schattenseiten, zumal im Winter, wenn es hundekalt war und wir bei Schnee und Hagelschauer hier vier Stunden Dienst zu verrichten hatten. Was vermochte auf dieser Plattform Windschutz und Pelzmantel schon zu bieten, gegen die grimmige Kälte von 29 bis 30 Grad unter Null und bei einer Geschwindigkeit von 80 bis 90 St/km."
(Paul Conrad)
"Leider werden infolge der Kälte in großer Höhe die schönen Sachen bis auf die Schokolade und die Getränke oft ungenießbar. Mancher gefrorene Leckerbissen, der einer besseren Verwendung würdig gewesen wäre, muß zum Gondelfenster hinaus in die Nordsee geworfen werden."
(Paul Conrad)
 

Luftschiffer auf der oberen Plattform eines Zeppelins (150k)

 


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